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jugendfest.de - Literaturecke: GESCHICHTE

Madame

Wenn ich auf der Straße entlang laufe, vorbei an dem gelben Haus mit dem grünen Türrahmen und sehe, dass sich die rosa Gardinen bewegen, dann weiß ich: Madame sitzt wieder auf ihrem Beobachtungsposten.
Es kann sein, dass sich tagelang nichts regt - hinter diesem Fenster im Erdgeschoss links neben der Haustür - und doch habe ich immer das Gefühl von ihr beobachtet zu werden. Ob Madame da ist oder nicht, ist nicht immer genau zu sagen. Es kann auch sein dass sie einfach still hinter ihrem Fenster sitzt - ohne die Gardinen zu bewegen und doch - so scheint es mir manchmal bohren sich ihre leuchtenden Augen in meinen Rücken, wenn ich am Fenster vorbei bin.
Vielleicht folgt sie mir auch - die drei Fenster bis zur Hausecke und sieht mir von dort aus nach. Vielleicht interessiert sie sich auch gar nicht für mich, sitzt mit dem Rücken zu mir - und doch komme ich mir beobachtet vor.
Vielleicht sitzt sie manchen Tag nicht am Fenster - und doch bilde ich mir ihren fragenden und neugierigen Blick ein.
Und an anderen Tagen habe ich die Gewissheit, denn ich sehe Madame hinter ihrem Fenster sitzen, sehe wie sich die Gardinen bewegen, wenn sie atmet, sehe wie die Gardine zu Seite gleitet, wenn sie sich unvorsichtig bewegt.
Ich frage mich dann, was Madame wohl denken mag, was sie von mir hält und ob sie mit anderen über mich spricht.
Auch ist sie mir noch nie außerhalb ihrer vier Wände begegnet - ich kann sie immer nur durch ihre Fenster bewundern, die sie auch - selbst bei größter Hitze - nie geöffnet hat.
Vielleicht hat sie Angst vor anderen - vielleicht will sie keinen Kontakt zu Menschen die ihr fremd sind - vielleicht wird es ihr verboten das Haus zu verlassen - vielleicht ist Madame einfach zu eingebildet um sich unter die einfachen Leute zu mischen.
Und während ich darüber nachdenke, sehe ich wieder das Wackeln der Gardinen. Wieder kann ich Madame nicht in ganzer Pracht sondern nur stückchenweise bewundern.
Doch heute ist etwas anders. Noch jemand ist mit ihr im Zimmer. Eine ältere Frau, welche die Gardine zurückzieht und das Fenster öffnet. Neugierig spähe ich herein.
Endlich - endlich kann ich Madame in ihrer ganzen Schönheit und Eleganz bewundern, kann sehen wie anmutig sich ihr Körper bewegt und sie mich neugierig aus ihren wunderschönen Augen ansieht.
Die Frau streicht ihr vorsichtig über den Kopf - hebt sie vom Fensterbrett und sagt: "Komm Mietz - es gibt Futter."

Von: ruebchen, 04.09.2008, 11:59.
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KOMMENTARE:

:)schön und am Ende wunderbar überraschend^^
von: derdauerblaue am 04.09.2008, 17:59

Toll geschrieben und beschrieben!
von: benzinoz am 04.09.2008, 18:50

das ist toll! vieleicht solltest du es neben frisör beruflich machen:D
von: doenertier am 04.09.2008, 20:03

cooles ende, ich hab erst gedacht, da ist jemand gestorben aber dann wars doch eine katze :) supersurprise (:
von: pfueffi am 04.09.2008, 20:16

Man hätte es sich bei "Madame" denken können, so nenne ich meine Mieze auch immer, aber hab ich nicht - also wirklich schön überraschend :-)
von: delamarck am 05.09.2008, 18:43

schön.
von: tartaruga am 09.09.2008, 21:03


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