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jugendfest.de - Literaturecke: GESCHICHTE

Der Busfahrer

Es ist morgens, kurz vor sieben. Ausnahmsweise musste ich keinen Frühsportsprint hinlegen, um pünktlich an der Haltestelle zu sein. Zeitig genug losgegangen, warte ich nun schon eine gefühlte Ewigkeit in der beißenden Kälte, als endlich der Bus ankommt.
Während ich einsteige, krame ich meinen Fahrschein heraus. Die ältere Dame vor mir kramt ebenfalls, aber nach ihrem Geld. Sie sagt dem Busfahrer, bis wohin sie mitfahren möchte, und er erwidert sofort den zu zahlenden Fahrpreis.
Zittrige Hände lassen mehrere kleine Münzen in die Zahlschale fallen – und ich werde misstrauisch. Diese Antwort kam doch ein wenig zu schnell, oder? Der Mann hinter dem Steuer hat doch nirgends nachgesehen, wie viel das kostet, hat doch nur so halb auf das gehört, was die Frau sagte, und einfach irgendwas geantwortet! Ist der sich wirklich sicher mit seinen 2 €? Nicht 1,90 €?
Ich starre den Busfahrer leicht misstrauisch und ungläubig an. Hat er eigentlich das Geld richtig gezählt? Oder wird die Dame hier abkassiert?
Als sie schon längst in dem hinteren Teil des Busses verschwunden ist, setze ich mich auch wieder in Bewegung und halte meine Monatskarte hoch. Der Blick des Busfahrers streift mich kurz, fast gleichzeitig nickt er. Das gibt es doch nicht. Der hat doch gar nicht richtig hingeschaut! Da kann man doch auch irgendein buntes Zettelchen hochhalten und dieser Busfahrer merkt noch nicht mal den Unterschied zu einem bezahlten Fahrschein. Kennt der sich eigentlich aus mit den Beförderungsbedingungen des Verkehrsverbunds?
Als der Bus anfährt, falle ich auf einen Sitz. Ganz schön ruckartig geht das los. Ob mit dem Fahrer auch alles okay ist? Wenn ich mir das jetzt so überlege – so ganz nüchtern kam der mir eben auch nicht vor mit seinen 2 € und dem oberflächlichen Blick auf meinen Fahrschein! Ein betrunkener Busfahrer?
Meine Hand umkrallt den Haltegriff am Sitz vor mir. Ich versuche zu erkennen, wo wir hinfahren. Darauf habe ich noch nie geachtet, aber ich kann doch mein Leben nicht in die Hände eines potenziell betrunkenen Fahrers legen... Können wir in diesem Schneckentempo überhaupt pünktlich ankommen? Und weiß der denn, wo er lang fahren muss? Apropos fahren – darf der eigentlich fahren? Hat der einen Führerschein? Weiß der, wie der dieses Riesengefährt wieder zum Stehen bekommt? Oder in einem Notfall reagieren muss? Was, wenn jetzt ein Feuer ausbricht, weiß der dann, was er machen muss? Oder hat er den Bus vielleicht gekidnappt? Sind wir jetzt alle Geiseln? Und wenn ja - warum?
Panisch gucke ich mich um. Warum sind alle so ruhig? Die kennen den Fahrer doch genau so wenig wie ich! Oder ist das die resignierte Ruhe, wenn man weiß, dass es sowieso keinen Ausweg mehr gibt?
Ich umklammere meine Tasche, kneife die Augen zusammen und hoffe, dass ich heil ankommen werde...



Von: monchichi, 13.03.2013, 10:36.
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KOMMENTARE:

soooo coooool!
von: hedi am 13.03.2013, 20:06

Nun ja, das setzt ein gewisses Vertrauen voraus in so einen Bus zu steigen. Und da bist du noch nicht in Südamerika Bus gefahren... Wie sagten die alten Griechen? Vor Gericht und in einem Bus sind wir in Gottes Hand! ;)
von: modernebauelemente am 14.03.2013, 14:40

ich erwarte gespannt die Fortsetzung!
von: eiscreme am 22.03.2013, 17:35


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